Der Duft der Bartgeier

Vor kurzem schaute ich im Internet nach Artikeln über die in Ramsau ausgewilderten Bartgeier - da stoße ich auf ein Interview, bei dem vor allem ein Satz Kopfkino bei mir auslöst:

„Highlight ist sicher ein extrem naher Vorbeiflug […]- da kann man sich dann auf dem Foto fast schon selbst im Auge des Geiers spiegeln sehen, man riecht das Tier und spürt den Abwind vom Flügelschlag.“
https://www.sueddeutsche.de/bayern/sz-serie-vogelwuid-ein-geier-zieht-aus-man-riecht-das-tier-1.5408706

Das mit dem Spiegeln im Auge und dem Spüren des Flügelschlags kann ich mir vorstellen - aber den Geruch eines Bartgeiers? Nach was riecht dieser Vogel?

Was ich dann im Internet gefunden habe ist spärlich. Ein Artikel über den Eigengeruch zeigt zwar in den Bildern ausschließlich Bartgeier, im Text wird aber von Geiern berichtet - und Geier ist ja nicht Geier, genetisch sind sie teilweise weit auseinander, ernähren sich unterschiedlich.
https://www.animalsaroundtheglobe.com/how-the-vulture-digestive-system-makes-it-smell-like-decay-6-285223/

Im Artikel wird das Mikrobiom erwähnt - was ich sehr spannend finde, denn ich frage mich, was im Darm eines Knochenfressers mit Extremsäuremagen so leben kann.

Vielleicht riecht ein Junggeier mit seiner fleischigen Ernährung anders als ein adulter Bartgeier? Hat das Eisenoxidbad Einfluss auf den Geruch? Ist der Riechsinn selbst relevant für ein Bartgeierleben?

Würde mich über Rückmeldung freuen.
Ich weiß selbst, dass es keine Relevanz hat, dass es wohl keinem nützt - es interessiert mich gleichwohl.

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Ist doch ne super Frage, die das @LBV_Bartgeier_Team bestimmt beantworten kann :slight_smile:

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Zum Duft eines (Bart-) Geiers kann ich nichts sagen, wohl aber etwas zur Verdauung. Die Magensäure wird bei uns im anschließenden Zwölffingerdarm komplett neutralisiert. Das wird bei allen Wirbeltieren (Fisch - Reptil - Vögel - Säugetiere) recht ähnlich sein. Ebenso die Darmflora. Im Laufe der Evolution sind wird mit einigen Bakterien eine Symbiose eingegangen. Nur im Darm haben wir da E. coli, Coliforme Keime, Enterobacea …, die uns an anderer Stelle im Körper krank machen würden. Alle Wirbeltiere scheiden dann auch diese Bakterien mit dem Stuhlgang aus.

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Ich glaube, dass ich mal gehört habe, dass der „Stuhl“ (bei Vögeln wird ja der Kot + der Urin zusammen ausgeschieden) des Bartgeiers kaum Bakterien enthält. Ich hab mal in ein Glas mit weißen Bröckeln drin geschnuppert - das war die Hinterlassenschaft eines Bartgeiers. Völlig geruchlos, könnte man wie Kreide zum Beschriften einer Tafel benutzen (ja, sowas gab es mal…).
Die Symbiose mit Darmbakterien finde ich spannend. Wir haben wohl Bakterien, die uns helfen, bestimmte Vitamine herzustellen. Was Bartgeier wohl für symbiontische Bakterien haben? Bestimmt ganz andere. Die Bakterien, die für Menschen nützlich sind mögen Ballaststoffe. Für einen Vogel ist Ballast ungünstig. So nahrhaft Knochen sind - Ballaststoffe sind da nicht drin und der Bartgeier kommt damit prima klar und muss auch kein Sauerkraut dazu essen.

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Ich habe das auch ganz allgemein geschrieben, was für alle Wirbeltiere gilt. Das ist eine riesige Gruppe über die ganze Welt verbreitet. Na klar gibt es da Unterschiede je nach Umwelt, Nahrung, Klima etc. Spezielle Anpassungen der Darmflora sind da eher die Regel als die Ausnahme. Das fängt schon bei der Unterscheidung zwischen Pflanzen- und Fleischfressern an und für Aasfresser dürfte das ebenfalls wieder anders aussehen.

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In früheren Texten hier hieß es irgendwann das für menschliche Nasen Bartgeier ein wenig „müffeln“.

Mag das auch damit zusammenhängen das auch die Nahrung der Bartgeier für unsere Nasen mitunter müffeln dürfte.

Aber was ich als erstes dachte ist: immer wenn ich das Gefieder eines Vogels roch war es der Geruch der Federn, stärker oder schwächer.

Und zumindest ähnlich obwohl es verschiedene Arten waren.

Riechen wir vielleicht den Duft der Stoffe mit denen die meisten Vögel ihr Gefieder einfetten?

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Ich glaube es war Toni, der bei einer Aufwilderung gesagt, oder geschrieben hat, dass Bartgeier nicht gut riechen (stinken).

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Es gibt aber auch das Gegenteil, in einem Interview mit dem Tierfilmer Andreas Kieling, währenddessen er einen zahmen Bartgeier auf dem Arm hatte. Am Schluss hat er richtig davon geschwärmt, wie gut der duftet. Die Geruchsempfindungen sind nun mal sehr verschieden.
https://www.facebook.com/share/v/1DGPBeNema/

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Vielleicht war der Bartgeier auch extra für den Dreh vorher in der Maske: sauber gebadet, schamponiert und geföhnt … Dann riecht er natürlich richtig gut.

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Liebe Rea,

ich empfinde den Geruch von jungen Bartgeiern immer als ein wenig “muffig”. Sie stinken keinesfalls nach Aas o.ä., aber die Jungvögel die wir auswildern verbringen natürlich die meiste Zeit in den Volieren zuvor auf Nistmaterial wie schmutziger Wolle vermischt mit Nahrungsresten. Als Geflügelhalter hat das für mich den Charakter von Hühnerstall. :wink: An einem adulten Bartgeier konnte ich noch nie schnuppern, ich würde aber annehmen, dass sich der beschriebene Geruch beim nur noch seltenen Kontakt mit Nistmaterial (außerhalb der Brutzeit) verliert. Ausgestopfte Bartgeier haben keinen ausgeprägten Eigengeruch, die riechen vor allem nach Federn, die ja auch eine gewisse Note haben - ich schnuppere beim Schreiben dieser Zeilen wirklich gerade an einer riesigen Handschwinge um das nochmal zu testen. :smiley:

Herzliche Grüße!

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Markus hat den Bartgeierduft mal kurz beschrieben als er :bartgeier: Sisi in der Halsgrube fotografiert hat.

Zitat Markus Leitner:
𝑊𝑒𝑛𝑛 𝑑𝑖𝑒 𝑗𝑢𝑛𝑔𝑒 𝐵𝑎𝑟𝑡𝑔𝑒𝑖𝑒𝑟𝑖𝑛 𝑖𝑛 𝑛𝑢𝑟 𝑤𝑒𝑛𝑖𝑔𝑒𝑛 𝑀𝑒𝑡𝑒𝑟𝑛 𝑎𝑛 𝐷𝑖𝑟 𝑣𝑜𝑟𝑏𝑒𝑖𝑠𝑒𝑔𝑒𝑙𝑡 𝑢𝑛𝑑 𝐷𝑖𝑟 𝑑𝑖𝑟𝑒𝑘𝑡 𝑖𝑛 𝑑𝑖𝑒 𝐴𝑢𝑔𝑒𝑛 𝑠𝑐ℎ𝑎𝑢𝑡, 𝑑𝑎𝑛𝑛 𝑏𝑒𝑟𝑢̈ℎ𝑟𝑡 𝑠𝑖𝑒 𝑓𝑢̈𝑟 𝑒𝑖𝑛𝑒𝑛 𝑘𝑢𝑟𝑧𝑒𝑛 𝑀𝑜𝑚𝑒𝑛𝑡 𝑠𝑒ℎ𝑟 𝑒𝑐ℎ𝑡 𝑢𝑛𝑑 𝑢𝑛𝑣𝑒𝑟𝑓𝑎̈𝑙𝑠𝑐ℎ𝑡 𝐷𝑒𝑖𝑛𝑒 𝑆𝑒𝑒𝑙𝑒: 𝐷𝑢 𝑘𝑎𝑛𝑛𝑠𝑡 𝑑𝑒𝑢𝑡𝑙𝑖𝑐ℎ ℎ𝑜̈𝑟𝑒𝑛, 𝑤𝑖𝑒 𝑖ℎ𝑟𝑒 𝐹𝑒𝑑𝑒𝑟𝑛 𝑖𝑚 𝐴𝑢𝑓𝑤𝑖𝑛𝑑 𝑟𝑎𝑠𝑐ℎ𝑒𝑙𝑛, 𝑖𝑛𝑡𝑒𝑛𝑠𝑖𝑣 𝑟𝑖𝑒𝑐ℎ𝑒𝑛, 𝑤𝑎𝑠 𝑠𝑖𝑒 𝑧𝑢𝑣𝑜𝑟 𝑔𝑒𝑓𝑟𝑒𝑠𝑠𝑒𝑛 ℎ𝑎𝑡 𝑢𝑛𝑑 𝑒𝑖𝑛𝑒𝑛 𝐴𝑢𝑔𝑒𝑛𝑏𝑙𝑖𝑐𝑘 𝑙𝑎𝑛𝑔 𝑏𝑖𝑠 𝑔𝑎𝑛𝑧 𝑡𝑖𝑒𝑓 𝑖𝑛 𝐷𝑒𝑖𝑛 𝐻𝑒𝑟𝑧 ℎ𝑖𝑛𝑒𝑖𝑛 𝑠𝑝𝑢̈𝑟𝑒𝑛, 𝑤𝑖𝑒 ℎ𝑎𝑢𝑠ℎ𝑜𝑐ℎ 𝑢̈𝑏𝑒𝑟𝑙𝑒𝑔𝑒𝑛 𝑢𝑛𝑑 𝑢𝑛𝑔𝑙𝑎𝑢𝑏𝑙𝑖𝑐ℎ 𝑤𝑖𝑙𝑑 𝑑𝑖𝑒𝑠𝑒𝑟 𝑢𝑟𝑔𝑒𝑤𝑎𝑙𝑡𝑖𝑔𝑒 𝑉𝑜𝑔𝑒𝑙 𝑚𝑖𝑡 𝑠𝑒𝑖𝑛𝑒𝑛 𝑓𝑎𝑠𝑡 𝑑𝑟𝑒𝑖 𝑀𝑒𝑡𝑒𝑟𝑛 𝑆𝑝𝑎𝑛𝑛𝑤𝑒𝑖𝑡𝑒 𝑒𝑖𝑔𝑒𝑛𝑡𝑙𝑖𝑐ℎ 𝑖𝑠𝑡! 𝑅𝑒𝑠𝑝𝑒𝑘𝑡 𝑣𝑜𝑟 𝑑𝑒𝑚 𝐿𝑒𝑏𝑒𝑛!

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Danke @Pit
Beim Lesen des Zitats und dem Foto von :bartgeier: Sisi kann man ein wenig Ahnung davon bekommen von der Ehrfurcht, die aufkommt wenn man einem Bartgeier so nah begegnen kann. Der Geruch von angedauter Gamshaxn war bisher noch nicht auf meiner Wunschliste, nun würde ich ihn mir gern um die Nase wehen lassen
:eagle::wind_face::bone:

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