Hallo Katinka, da hast Du wieder interessante Szenen raugeholt aus den Aufnahmen von Franz!
Bevor Tabea diese Bildung von Kugeln bzw. temporären Clustern beobachtet und mehrmals eingestellt hat, wussten wir gar nichts davon. Und dieses Verhalten ist meines Wissens bisher auch gar nicht bekannt. Mit dem Werkzeug von Franz lässt sich nun viel schneller herausfinden, wann und wo diese Kugelbildungen, die sich meist nach etwa 1 Stunde wieder auflösen, und sich später womöglich wieder bilden, stattfinden. Zwischenzeitlich ist gerade noch ein Beitrag von Tabea reingekommen, der die Beobachtungen von Katinka bestätigt.
Bisher kann ich über Eure Dokumentationen dazu folgendes erkennen: diese Hufis lösen sich aus den schlafenden Clustern raus, die kalt sind (sie haben die Umgebungstemperatur von derzeit 5 bis 5,5 Grad. Mit einer Wärmebildkamera sind die Hufis nicht zu erkennen. Das haben wir schon mal getestet. Sie sind genauso kalt, wie die Luft und die Steine des Kellergewölbes. Die Hufis, die sich herauslösen, haben sich vorher aufgeheizt. Sie bleiben nicht im kalten Cluster, weil sie sich nicht von kalten Nachbarn abkühlen lassen wollen und vielleicht auch, um ihre kalten Nachbarn nicht mit ihrer Körperwärme zu erwärmen. Diese warmen Hufis treffen sich dann eigentlich immer am hintersten Ende des Kellers, wo es am wärmsten sein dürfte, weil hier durch die Tiefe im Hang die Erdwärme am wenigsten abgeschwächt wird. Das ist der Platz der am weitesten von der Tür weg ist, wo über den Einflug die Kaltluft aus der Erdhalle einströmt. Wir haben zwar versucht, das durch einen Wärmevorhang zu unterbinden, aber das gelingt nur sehr schwach. Ich bin schon froh, dass die Temperatur nicht weiter so schnell gesunken ist. Heute Nacht fiel sie erstmals auf 5 Grad. In der Erdhalle hat es deutlich Frost, zu sehen am gefrorenen Wasser in der Tränke. Gestern oder Vorgestern hat eine Hufi versucht dort zu trinken, wobei sie sich nur einen kalten Mund holen konnte.
An dem wärmsten Platz im Keller clustern die warmen Hufis und sie hüllen sich dabei auffallend mit den Flügeln ein, wie mit einer Decke. Diese Hufis bleiben in Normaltemperatur und wärmen sich eine Zeit lang gegenseitig, bis sich der Kugelcluster wieder auflöst und die Hufis sich wieder in kalte Cluster zurück begeben, wo sie neben, bzw. an den kalten Nachbarn wieder schneller abkühlen. So meine Gedankenspiele, die nicht stimmen müssen.
Um das mit den vermeintlichen Paarungen mal etwas abzuschwächen: Paarungen finden i.d.R. a tergo statt (Ausnahmen bestätigen die Regel) und dabei sind deutliche Kopulationsbewegungen zu sehen. Die Männchen verbeißen sich dabei auch im Nacken des Weibchens, so dass nach der Paarung noch eine Zeit lang diese feuchte Stelle im Fell zu sehen ist. Da die erigierten Penisse von Hufeisennasenmännchen ziemlich groß sind, würde man die immer wieder mal sehen. Im Sommer kann man regelmäßig “pubertierende” Hufi-Jünglinge in der Wochenstube sehen, die an ihrem Penis lutschen. Auch bei anderen Fledermausarten konnte ich das schon beobachten. Entschuldigen wir das mal mit Hygiene-Verhalten
. Diese Kugelbildungen haben nach meinen bisherigen Wahrnehmungen nichts mit Paarungsverhalten zu tun.
Warum die Hufis das machen, weiß ich zumindest bisher nicht. Dass Fledermäuse im Laufe des Winterschlafs i.d.R. 12-15 Aufwachvorgänge haben, das weiß man inzwischen. Und das dient vermutlich dem “Training” wichtiger physiologischer Vorgänge. Was unsere Hufis hier vorführen, ist aber eine deutlich höhere Aktivität.
Welche Hufis dies machen und welche Zusammensetzung diese Kugeln haben (sind es verwandte oder befreundete Hufis) wissen wir (noch) nicht. Da dies ein sehr auffallendes Phänomen ist, werden wir uns bemühen, das mal genauer heraus zu finden. Hier kommt wieder das Problem der Individual-Markierung in Spiel. Ohne die einzelnen Hufis individuell erkennen zu können, wird das schwierig. Das nächste ist dann eine optimale Kamera-Positionierung.
Ich habe demnächst ein Treffen mit erfahrenen Fledermaus-Verhaltensforschern und ich werde mit denen dieses bisher unbekannte Verhalten der Hufis besprechen. Aber vielleicht ist dieses Verhalten gar nicht unbekannt und es gibt schon Informationen dazu. Sobald ich mehr dazu weiß, werde ich es Euch berichten.
Bis dahin dürft Ihr weiter so gut beobachten. Und Eure Beobachtungen werden auch in die Analyse entsprechender Verhaltensforschungen eingehen. Ein wichtiger Teil dürfte dabei auch die Akustik, also die Rufe und v.a. die soziale Kommunikation spielen. Das ist dann nochmal ein schwieriger Punkt, weil die Hufis ja ziemlich hoch rufen. Mal sehen, was wir da in nächster Zeit auf die Beine stellen können.
Wichtigster Punkt in den nächsten Wochen, bevor die Hufis wieder in den Dachboden hinauffliegen, ist, dass wir diesen möglichst sicher gegen die Siebenschläfer ausrüsten müssen. Das ist ein fast unmögliches Unterfangen. Aber wie müssen es unbedingt probieren, damit nicht wieder solche Dramen wie vergangenen Sommer passieren. Schlaflose Nächte habe ich eh genug….
Servus derweil, Rudi