@Fledermaus-Rudi Warum könnt ihr keine Kotanalysen mehr machen? Haben diese Analysen noch einen weiteren Grund außer festzustellen, was gefressen wurde? Z. B. Aussagen über den Gesundheitszustand?
Hallo Tabea und Chrissi, hier die Antworten zu Euren Fragen:
Erstmal das Thema Beringung: früher (1950er und 1960er Jahre) wurden zahlreiche Fledermäuse und auch Hufeisennasen beringt. Sehr schnell merkte man, dass für die Hufeisennasen der Ring störend ist und sie versuchen den Ring (der am Unterarm befestigt ist) runterzubringen. Sie versuchen das mit Kratzen und mit Beißen. Die Folge sind Entzündungen (beim Kratzen) und im schlimmsten Fall absterbende Flügel. Die Hufis können den Alu-Ring zwar zusammenbeißen, aber nicht mehr auseinanderbiegen, was zu Blutstau und Nervenabklemmung führt. Nachdem man nicht wenige Hufis mit solchen Verletzungen, bzw. deren Todesfolge feststellen musste, wurde die Beringung bei Hufeisennasen eingestellt. Manche Hufis stört so ein Ring anscheinend weniger, und über ein solches wurde das bisherige Höchstalter von 30,5 Jahren festgestellt. Womöglich können Große Hufeisennasen noch älter werden. Aber ohne individuelle Markierung wird man das nicht herausfinden können. Vielleicht erfindet man noch eine andere dauerhafte Markierung, die nicht so störend für die Hufis ist. Es gibt schon andere Markierungsringe aus Kunststoff, aber hier kennt man die Haltbarkeit noch nicht. So lange es keine Methode gibt, die gut funktioniert, werden wir bei den Hufis die Finger vom Beringen lassen. Andere Fledermausarten sind hier weniger empfindlich und es werden noch zahlreiche Fledermäuse beringt.
Thema Kotanalysen: hier kann man verschiedene Ansätze verfolgen: Nahrungsanalysen, Krankheiten/Pathogene/Endoparasiten oder Genetik.
Für uns war in erster Linie das Nahrungsspektrum wichtig, weil wir mit den Kenntnissen darüber unsere Hufis auch fördern wollten. Hier gibt es die Methode, nach den Insektenresten im Kot der Hufis mit dem Mikroskop zu suchen. Das ist sehr schwierig und aufwendig und es gibt nur wenige Menschen, die das überhaupt können. Zum Glück gibt es da Dr. Irmhild Wolz bei uns in der Region, die das mit am besten beherrscht. Diese Methode ist aber sehr zeitaufwendig und darum auch nicht ganz billig. Eine andere Methode ist das DNA-Barcoding. Die ist auch nicht billig, aber nicht so zeitaufwendig, weil sie inzwischen ziemlich automatisiert abläuft. Aber es können nur Beutetiere erkannt werden, deren Marker-Gen bekannt ist. Zudem gibt es kaum Hinweise darüber, welchen Anteil das Beutetier im Spektrum der Hufis hat. Wer sich genauer für die Kotanalysen interessiert, kann sich ja den Bericht über 10 Jahre Nahrungsanalysen bei unseren Großen Hufeisennasen hier runterladen:
https://www.bestellen.bayern.de/application/eshop_app000009
Aussagekräftige Analysen des Nahrungsspektrums müssten über einen längeren Zeitraum erfolgen. Hierfür ist derzeit leider keine Finanzierung gegeben.
Im Fledermausschutz dürfen wir uns aber nicht beschweren. Kaum eine Tiergruppe bekam bisher so viel Unterstützung von staatlicher und auch von europäischer Seite wie die Fledermäuse. Das aktuell verfügbare Geld stecken wir lieber in unmittelbare Schutzmaßnahmen, z.B. um die letzten Kleinen Hufeisennasen der Frankenalb vor dem Aussterben zu bewahren.
Beringung und Kotanalysen bei Hufeisennasen müssen also erstmal auf bessere Zeiten warten. Aber wir dürfen froh sein, dass wir überhaupt so viel Förderung für unsere Hufeisennasen bekommen haben. Servus derweil, Rudi
Ein ganz herzliches Dankeschön für deine umfangreiche und äußerst interessante Antwort auf meine Frage bezüglich der Beringung. Ich habe mir nämlich nicht vorstellen können, wie das in der Praxis funktionieren kann. Gut, dass man das wieder eingestellt hat und vielleicht findet sich ja in der Zukunft tatsächlich eine brauchbare Methode.
Ich werde die Hufis weiterhin interessiert beobachten und hoffe, dass sie sich in den nächsten Tagen ihre Bäuchlein vollschlagen können. LG bis demnächst
Herzlichen Dank für die umfangreiche Antwort und auch für den Link. Werde mich weiter informieren.
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Danke @chrissi ,dass du mir die Beobachtung übernimmst
. So bleib ich auch bei den hufis auf den laufenden.
Auch danke an @Fledermaus-Rudi für deine lehrreichen Erklärungen.
https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/tier-webcams/hufeisennase-webcam/
Ein paar dicke Bäuchlein sieht man Gott sei Dank.
Liebe @Kathi-aus-Oberbayern
Herzlichen Willkommen hier bei uns im Forum. ![]()
Die Hufis sind schon sehr toll. Ich hoffe auch, sie finden wieder genug heute Nacht.
Viel Freude hier bei all den interessanten Themen.
Danke sehr, liebe Evakäfer!
Jetzt sind sie schon gähad, wie wir im Chiemgau sagen ![]()
Hallo Kathi, ein herzliches Grüß dich auch von mir und viel Freue beim Beobachten. Hoffen wir für die Hufis, dass sie sich heute ihre Bäuchlein wieder gut füllen können. ![]()
Danke Dir, liebe Chrissi ![]()
Hallo Zusammen, schön dass wir mal wieder neue ZuschauerInnen haben! Jetzt grad um 23:30 Uhr sind schon einige (vielleicht etwa 100) Hufis vom Jagdflug zurückgekommen und sie haben überwiegend gut gefüllte Bäuche. Das ist eigentlich überraschend, weil das Insektenangebot nicht hoch ist. Den Vögeln, die Fluginsekten fangen müssen, geht es gerade nicht so gut. Es sind nur wenige Schwalben und Mauersegler zu sehen, auch den Vogel des Jahres, den Hausrotschwanz, sehe ich kaum, ebenso den Gartenrotschwanz oder Grau- und Trauerschnäpper. Vorgestern habe ich zumindest schon einen Gelbspötter singen hören. Im Lauterachtal oder dem Truppenübungsplatz scheint aber ein Beutetier (oder auch weitere) gut zu fliegen, so dass die Hufis nun erstmal ausreichend Beute finden. Das ist wichtig, weil ja jetzt schon die Hufi-Babys in den Müttern heranwachsen. Früher kamen die Hufis aber meist viel schneller von der Jagd zurück. Jetzt müssen sie schon länger unterwegs sein, um genügend zu erbeuten. Wahrscheinlich werden die Geburten heuer auch etwas später sein, als die letzten Jahre, weil der Mai diesmal ein kalter Mai ist, der deutlich unter seinem langjährigen Mittel ist. Das mit dem fehlenden Regen brauche ich nicht zu wiederholen. Auch heute ist hier so gut wie nichts runtergekommen, während nördlich und südlich immer wieder größere Regenfronten durchgezogen sind. In einer der nächstgelegenen Wetterstationen zu Hohenburg, in Hartenhof, 16 km westlich von Hohenburg hat es in den letzten 3 Monaten nur 35 mm geregnet, also pro Monat nur knapp über 10 Liter. Das wird später auch im Nahrungsangebot der Hufis zu spüren sein, weil sich bei der Trockenheit die Larvenstadien der Insekten nur schlecht entwickeln können. Aber zum Glück ist unsere Kolonie inzwischen so groß, dass mal so ein schlechtes Jahr zu verkraften ist. Und dann müssen wir unseren Hufis noch lernen, nicht gleich immer wieder auf frisch geputzten Kameralinsen zu pinkeln. Saubermachen kann man die dann nur in der kurzen Phase, wo alle auf die Jagd geflogen sind. Servus derweil, Rudi
Hallo Rudi, vorweg gleich herzlichen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Nach der anfänglichen Skepsis und Befürchtung, dass weitere Hufis sterben müssen, ist nun Gott sei Dank eine gewisse Erleichterung eingetreten. Die Kolonie scheint groß und das Nahrungsangebot momentan nicht zu spärlich zu sein. Hoffen wir, dass es sich für die Hufis weiterhin gut entwickelt. LG und bis demnächst.
Lieber Rudi,
vielen Dank auch von mir für Deinen sehr interessanten und informativen Bericht. Es ist immer sehr spannend von Dir zu lesen.
Es freut mich, dass die Hufis wohl gerade genug finden, auch wenn es länger dauert.
Hoffen wir, dass es so bleibt und dass es bald bei Euch regnet.
Bis bald lieber Rudi… ![]()
Lieber Rudi auch von mir ein herzliches Dankeschön für die Infos!
Ja, regnen sollte es wirklich bald und ergiebig.
Liebe Grüße Kathi






