Hallo Tabea und Chrissi, Danke für Eure Infos! Wenn ich die kleine Fledermaus mal erwische versuche, ich hin zu zoomen. Aber mein Eindruck ist, dass es eine Wimperfledermaus ist. Von deren Überwinterungsverhalten weiß man noch wenig. Daher werde ich mir das auch notieren.
Nun hier noch Antworten auf Deine Beobachtungen und Fragen, Tabea: grundsätzlich gibt es natürlich einen Zusammenhang mit dem Wetter, was aber v.a. im Frühjahr Sinn macht. Allerdings können Hufis auch im Winter jagen, wenn es sehr milde Phasen gibt. Ich konnte schon im Dezember und Januar nach warmen Phasen frischen Kot sammeln. Dieser bestand fast ausschließlich aus Resten vom Gerippten Brachkäfer. Das sind dann Käfer, die zu früh aus den Puppen im Boden geschlüpft sind, weil sie dachten, es ist schon Frühling. Die Hufis wissen das anscheinend, dass es solche Käfer gibt, die sich in der Jahreszeit vertun.
Ob diese Aufwach-Vorgänge eine soziale Komponente haben ist nicht ganz auszuschließen. Jungtieren fehlt die Erfahrung, und da hat es dann den Vorteil, dass sie mitbekommen, wenn die Älteren aktiv werden und womöglich erfolgreich jagen können. Allerdings überwintern viele Hufis einzeln hängend. Nur in großen Höhlen können wir inzwischen auch mehrere zusammenhängende Hufis beobachten. Im Keller sind sie praktisch “zusammen-gezwungen”.
Was ich schon öfter festgestellt habe, sind träumende Hufis, die im Schlaf, bzw. Traum sprechen. Ausgelöst durch ein Geräusch (z.B. das Aufsperren der Scheunentür) gibt eine Hufis im Traum dann Laute von sich. Wenn ich dann in den Keller schaute, hingen alle im Tiefschlaf und keine war wach.
Wie die Gruppen zusammengesetzt sind, das wissen wir auch nicht. Anhand der Fellfärbung kann man das Alter erkennen und hier kann sagen, dass sich das unsystematisch verteilt. Die Geschlechter erkennen wir da leider nicht. Da müsste man die Hufis abnehmen, was aber eine zu starke Störung wäre. Ich könnte mir vorstellen, dass Weibchen und Juvenile eher zusammenhängen und adulte Männchen womöglich meist allein hängen. Allerdings kenne ich auch Jungtiere, die ganz alleine hängen. Vermutlich sind das wagemutige Vagabunden, die neue Lebensräume erschließen. - Vielleicht gelingt uns ja noch eine Individualmarkierung, die die Hufis nicht stört. Wir werden diese Rätsel schon noch lösen.
Kommunikation bei Fledermäusen ist sowohl im für uns hörbaren Bereich als auch im Ultraschallbereich. Im Schlaf kommen Lautäußerungen beim Träumen vor. Im Winterschlaf sind aber Lautäußerungen sicherlich was seltenes. Das Zusammenhängen ist natürlich eine Form des Kommunizierens, einfach schon darüber, andere zu spüren. Dass sich bestimmte Tiere immer zusammenfinden, ist eher unwahrscheinlich. Wenn ein Pulk schlafend an der Höhlendecke hängt, und sich eine weitere dazuhängt, kann sie sich die Nachbarn nur bedingt aussuchen. Sie wird sich v.a. da hinhängen, wo sie einen sicheren Haltegriff hat.
Vielleicht bekommen wir in nächster Zeit mehr raus. Das verrate ich Euch, wenn es spruchreif ist. Bis dahin könnt Ihr aber mit Euren Beobachtungen wichtige Beiträge zum Verhalten liefern, die spätere Untersuchungen dann womöglich zielführender machen lassen. Vielen Dank Euch dafür! Servus derweil, Rudi
PS: ein älteres Foto mit einem Winterschlafcluster aus unterschiedlich alten Hufis